Tatár und Manja

Veröffentlicht in Eure Geschichten am 24.12.21

Tatár – unser stolzer Ungar

Wie schafft man es als Hund über 3 Jahre im Alltag des Tierheimes zu leben und trotzdem einen ungebrochenen Optimismus zu bewahren? Tatárs Augen haben mich sehr entschlossen angesehen auf dem Foto des Vereins Projekt Pustzahunde e.V.. So entschlossen, dass ich nach kurzem Lesen seiner sehr liebevoll und treffend formulierten Beschreibung bereits das Kontaktformular ausfülle.

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Kurze Zeit später schon die Antwort, dass Tatár noch zu haben sei und dann ging alles sehr schnell. Ältere große Rüden zu vermitteln sei wie ein 6er im Lotto, so die Ansprechpartnerin des Vereins. Tatár war zu diesem Zeitpunkt knapp 10 Jahre alt. Bereits 14 Tage später sollte ein Transport aus Ungarn stattfinden, auf dem Tatár nun einen Platz ergattert hatte.

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Jetzt wurde es allerhöchste Zeit, auch meinen Mann über die spontane Adoption in Kenntnis zu setzen. Tatár hatte mich so in seinen Bann gezogen, dass ich alles rundherum ausgeblendet hatte. Mein Bauchgefühl wusste, dass er zu uns gehört, ohne jeden Zweifel. Was ich an meinem Mann so liebe? Seine Spontanität und Flexibilität 
Wir wollten einen Hund, wir haben einen großen Hof, sind beide selbstständig – die optimalen Bedingungen waren da. Uns schwebte ein Schäferhund oder Hovawart vor, auf jeden Fall ein guter Wachhund. Nun stand er da, unser Labrador-Bernhardiner-Mischling mit den sanften Bernsteinaugen.

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Bereits nach 1 Woche auf dem Hof wusste er genau, wer dazu gehört und wer gemeldet werden muss. Mit einem tiefen, unaufdringlichen „Wuff“ gibt er Bescheid, wenn Besuch kommt, auch wenn wir noch lange niemanden sehen können.
Wir wunderten uns anfangs schon ein wenig, dass Tatár so gar nicht auf seinen Namen hörte. Aber sehr schnell wurde klar, dass sein Gehör nur noch sehr wenig arbeitete.

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Seine Nase kompensiert allerdings sehr viel und möchte auch immer Arbeit haben. Spaziergänge und „Zeitunglesen“ sind seine absoluten Highlights. Wer hätte das gedacht, als Tatár mit einer völlig gelähmten Hinterhand nach dem Transport aus Ungarn bei uns ankam. Am ersten Tag konnte er sich nur mit den Vorderpfoten ein wenig vorwärts bewegen. Aber seine Augen zeigten weiterhin so viel Entschlossenheit….. Am nächsten Morgen traute ich meinen Augen kaum, als Tatár wir Phönix aus der Asche in der Tür stand und signalisierte „Können wir jetzt endlich los, ich habe viel nachzuholen.“ Im Nachhinein ist uns klar, dass seine Hinterbeine auf der 1,5tägigen Fahrt einfach „eingeschlafen“ waren und ein wenig Zeit brauchten um wieder in Gang zu kommen.

Wir haben einen Tag lang mit Massagen und Laserbehandlung unterstützt und danach gab es kein Halten mehr. Bereits nach 1 Woche bekam Tatár zusehends mehr Kondition und ich konnte teilweise nur noch im Laufschritt folgen.
Seine Bewegungsfreude ist grenzenlos, ebenso wie sein Appetit. Drei große Mahlzeiten am Tag werden freudig erwartet und verschlungen. Leckerlies zwischendurch sind eine willkommene Ergänzung. Für getrocknete Rinderstreifen tut Tatár Alles – damit konnten wir ihm binnen kürzester Zeit beibringen, über eine Rampe ins Auto zu klettern.

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Denn schnell waren die Spazierrunden im Dorf zu langweilig geworden, Abwechslung musste her. Die Freude ist groß, wenn ein Ausflug in den Wald ansteht. Autofahren ist sicher nicht seine Lieblingsbeschäftigung, aber er steht es tapfer durch und der Wald belohnt mit einem Paradies für die Hundenase.

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So leicht Tatár mit Futter und Leckerlie zu begeistern ist, so sehr schlingt er diese auch hinunter. Dieses Schlingen hat ihm bereits 3 Mal an den Rand des Erstickens gebracht. Es hat einige Untersuchungen beim Tierarzt gebraucht, bis wir der Ursache für seine asthma-ähnlichen Zustände auf die Spur kamen. Den Check auf Herzwürmer, ein großes Blutbild, Herzultraschall und Lungenröntgen hatte der alte Haudegen mit Bravour bestanden. Erst ein Video eines „Anfalles“ brachte den Tierarzt sofort auf die Diagnose Kehlkopflähmung. Seit wir Tatár nun sein Futter und Wasser in erhöhten Näpfen anbieten, gab es Gott sei Dank keine brenzligen Situationen mehr. Mittlerweile ist er aber auch mehr angekommen und etwas ruhiger geworden.

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Auch die Leckerlies werden mittlerweile gekaut und nicht nur eingeatmet. Er weiß, dass es regelmäßig Futter gibt und er es ganz für sich allein genießen darf. Die „Rangfolge“ mit unseren 3 Katzen war von Anfang an schnell geklärt und hat sich über friedliche Koexistenz bis hin zu einer Freundschaft entwickelt. Die Katzen liegen mittlerweile auch gern mit in seinem Bett. Denn eines hat sich nicht geändert – Tatár wollte von Beginn an nicht im Haus schlafen. Er hatte sich sehr schnell einen Lieblingsplatz im Stall auserkoren und kommt nur ab und zu mal für ein paar Stunden mit ins Haus, bis es ihm wieder zu warm ist. Je kühler es ist, desto wohler fühlt sich unser Bernhardiner-Mix.
Tatár – wir danken dir für dein liebes Wesen, deinen starken Willen, deine Begeisterungsfähigkeit und dein Vertrauen. Wie schön, dass du in unser Leben gekommen bist und hoffentlich noch lange bleiben wirst.