Paul

Veröffentlicht in Eure Geschichten am 21.04.21

Paul... wo die Liebe hinfällt..

Vor 10 Jahren, ist die Überlegung gekommen, einen zweiten Hund anzuschaffen. Zu dem Zeitpunkt lebte in unserer Familie, ein Hovawart Mix Namens Fraggle.
So schaute ich fleißig Anzeigen und fand eine, in der ein Tierschutzwelpe angeboten wurde. Nun machten wir uns auf den Weg, überlegten Namen, fragten uns, was soll der Hund, der in eine Familie mit Kindern zog, erfüllen müssen.

Kinderlieb soll er sein, nicht ängstlich, vielleicht genauso vom Wesen wie Fraggle? Na ja... eigentlich nicht möglich.

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Dort angekommen, war ziemlich schnell klar: Hier stimmt etwas nicht!!!

Der Gedanke, oder das Verständnis von Tierschutz, war für mich ein ganz anderer.
Wir wurden in einen Raum geführt, wo uns die angebliche Mutter vorgestellt wurde (aber das war im nach hinein absurd) und dann wurde die Tür geöffnet und herein kam, ein kleiner ängstlicher rutenloser Welpe.

Was soll ich sagen? Natürlich war der kleine Kerl süß, aber mein Mann und ich schauten uns an und in uns war dieselbe Frage:

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Hier geht es nicht mit rechten Dingen zu! Ist es das was wir wollen? Langsam nahm ich Kontakt zu dem kleinen Mann auf und entdeckte sehr viele Narben am Bauch. Unterwürfig und vorsichtig ließ er sich von mir streicheln und leckte meine Hand.
Der Stummel, der von seiner Rute übergeblieben war, wackelte freudig.
Nun musste eine Entscheidung her! Ich denke heute, mein Mann hätte sich dagegen entschieden, aber für mich war da was und ich konnte dieses kleine Wesen nicht dort lassen. Also, er muss mit...

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So war dieser kleine noch namenlose Welpe in unserer Familie und in meinem Herz!

Zu Hause angekommen, ging das Leiden weiter, denn Paul, der auf der Heimfahrt seinen Namen bekommen hat, sollte keinen leichten Start bei uns haben.
Sein neuer Partner (nicht selbst gewählt) mochte ihn mal gar nicht.

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So sehr der kleine Kerl sich auch um Anerkennung bemühte, er wurde Wochen ignoriert.
Nach fast 3 Wochen ignorieren, gab es eine kleine Beißerei und was soll ich sagen, danach war der Knoten geplatzt.

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Von nun an waren die Zwei, ein Herz und eine Seele.
Die Einzige dem "klein Paul"
vertraute, war ich.
Nachts schmuggelte er sich heimlich unter meine Decke und er folgte mir überall hin, was bis heute so geblieben ist.
Egal wohin... ich führe es jetzt nicht weiter aus...

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Paul wuchs heran und immer mehr bekam ich das Gefühl, dieser Hund ist etwas Besonderes. Gut, wer behauptet das nicht von seinem Tier, aber vielleicht kann man sagen, für mich was Besonderes!

Ich bin mit vielen Tieren aufgewachsen und ein Jedes hatte seine Persönlichkeit, aber keines dieser Tiere verstand mich so, wie Paul.

Er kann mich verstehen, gefühlt jedes Wort, jeder Gedanke, jedes Gefühl scheint dieser Hund von mir wahrzunehmen.
Oft weiß er schon, bevor ich es weiß, ob es mir gut geht, oder schlecht.
Viele Ängste haben wir gemeinsam gemeistert.
Paul mochte von Anfang an nicht so gerne Männer. Sie sind für ihn unheimlich (was gewiss aus seinen ersten Lebenswochen stammt).
Wenn mein Mann oder unsere Söhne die Stimme erhoben, ob lachen oder auch mal ein Streit, war Paul nicht mehr zu finden.
Er verkroch sich in die letzte Ecke unters Bett, so das er aus eigener Kraft nicht mehr herausgekommen wäre. Wir befreiten ihn oft aus seinen " Verstecken " So groß war seine Not.
Wenn mein Mann ihn ansprach, ließ er alles unter sich gehen, obwohl ihm bei uns, nie etwas Böses passiert ist.
Wenn ich nicht zu Hause war, hat er nicht gefressen, bis ich wieder da war.

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Alles das, haben wir heute überstanden und er mag es nicht, aber er hat seinen Platz in einer lauten Großfamilie gefunden.
Da sein Frauchen immer wieder Tiere aller Art anschleppt und Paul mich nicht gerne teilt, gibt es immer wieder eine Diskussion zwischen uns, aber wenn ich sage es ist ok, dann akzeptiert er Katzen, Schweine, Kälber usw.
solange sie nicht unter meine Decke wollen.

Heute macht er nur noch Pipi, wenn seine Lieblingsmenschen zu Besuch kommen und das sind unser Sohn Dominik, unsere Tochter Laura und meine Mama. So gibt es vier Menschen, die Paul liebt, den Rest akzeptiert er, aber mehr auch nicht.

Nun wird er langsam ein älterer Herr, der mit seinem Freund Fluffy tobt, wenn er Lust hat.
Bei schlechtem Wetter, mag er nicht raus, liegt vor dem Ofen und lässt sich wärmen, oder natürlich unter meiner Decke.
Ich hoffe, dass unsere Zeit noch lange nicht vorbei ist und ich bin glücklich, dass meine Liebe genau auf diesen kleinen schüchternen Kerl gefallen ist.

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Einfach für mich, ein ganz besonderer Hundemann. Ich bin stolz auf uns, dass wir alle gemeinsam ihm den Glauben und das Vertrauen in den Menschen zurückgegeben konnten.
Wir haben ein zu Hause geschaffen, in dem er sich sicher fühlt und das ich nicht so ganz falsch gelegen habe, zeigt seine Zuneigung und das ist einfach wunderbar und ein tolles Gefühl.

Bianca